Rohstoffknappheit spitzt sich zu

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Franziska Kaufmann

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Unternehmen handeln, politische Flankierung erforderlich

Preissprünge und Zugangsschwierigkeiten machen die Rohstoffversorgung für die Unternehmen zum Nadelöhr. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des DIHK her-vor. Neun von zehn Industrieunternehmen leiden unter den steigenden Rohstoffpreisen. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen befürchtet sogar, die erforderlichen Rohstoffe überhaupt nicht mehr zu erhalten. Die Rohstoffrechnung fällt für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2010 allein schon aufgrund der Preissprünge um rund 30 Mrd. Euro höher aus als im Vorjahr. Die Rohstoffversorgung entwickelt sich damit zu einem immer größeren wirtschaftlichen Risiko – obwohl die deutsche Industrie im internationalen Vergleich besonders ressourceneffizient produziert.

Die Betriebe fahren beim Kampf gegen die Rohstoffengpässe mehrgleisig. Rund 70 Prozent der Industrieunternehmen optimieren ihr betriebliches Ressourcenmanagement. Gleichzeitig arbeiten sie an weiteren Verbesserungen der Ressourceneffizienz und suchen nach Ersatzmaterialien. Zudem bemüht sich das produzierende Gewerbe um neue Lieferanten und Rohstoffquellen.

Zusätzlich benötigen die Unternehmen für ihren Rohstoffbezug von der Politik flankierende Maßnahmen:

Mehr politische Unterstützung bei Forschung und Entwicklung: Vor allem durch eine stärkere Förderung von Forschung und Technologie dürfte langfristig die Rohstoffrechnung reduziert werden. Beispielsweise ermöglichen innovative Sicherheitstechnologien den Abbau unter extremen Bedingungen. FuE-Förderung zeigt sich beispielsweise im Ausbau der Grundlagenforschung an Universitäten und Forschungseinrichtungen oder in der verstärkten Unterstützung von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie von Unternehmen untereinander.

Handelspolitik für freie Märkte: Der Zugang zu Rohstoffen darf nicht weiter erschwert werden. Die Unternehmen hoffen auf europäische und internationale Rohstoffabkommen mit transparenten Regeln. Beschränkungen müssen abgeschafft werden – von Exportzöllen auf Gallium bis zu Kontingenten für Indium. Marktzugangserleichterungen sollten bei Verhandlung von Partnerschafts- und Freihandelsabkommen, bei der EU-Erweiterung und bei laufenden Regierungskonsultationen ausreichend Berücksichtigung finden.

Verschärfung der gesetzlichen Recyclingquoten abgelehnt: Sekundärrohstoffe aus recycelten Stoffen, Produkten und Abfällen lindern Knappheiten. Eine weitere Verschärfung der gesetzlichen Recyclingquote durch eine Abfallabgabe oder überzogene Verwertungsquoten wäre jedoch teuer und unnötig. Die Unternehmen lehnen sie deshalb eindeutig ab. Denn hohe Bürokratielasten für den Quoten-Nachweis sowie Zusatzkosten, wenn die Wertstofferlöse unterhalb der Aufarbeitungskosten liegen, wären die Folge. Somit beschreitet das Bundesumweltministerium mit den höheren Recyclingquoten im Entwurf für das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz einen falschen Weg. Die Unternehmen haben angesichts steigender Entsorgungskosten sowie anziehender Preise bei Sekundärrohstoffen doch schon selbst ein starkes wirtschaftliches Interesse an mehr Recycling und effizienter Ressourcennutzung. Darauf deutet auch die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage hin: Die Unternehmen der Abfall- und Re-cyclingwirtschaft bewerten ihre Geschäftslage besser als die Gesamtwirtschaft – wie meistens in Phasen hoher Rohstoffpreise.

Im November 2010 hat der DIHK ein Umfrage zur Rohstoffknappheit ausgewertet. Die Ergebnisse des Unternehmensbarometers "Rohstoffklemme zeichnet sich ab" finden Sie hier.