Vorkehrungen in Bremerhaven

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Alle Hebel in Bewegung

In Bremerhaven wurden Vorkehrungen getroffen, damit die Verbraucher nicht durch radioaktiv belastete Ware aus Japan gefährdet werden. In den Häfen, dem Logistikbereich und der Fischwirtschaft ist man vorbereitet.

Noch immer hat niemand eine Zeitmaschine erfunden. Und weil wohl kein Mensch in die Zukunft blicken kann, muss schlichtweg abgewartet werden, ob und inwiefern die dramatischen Vorkommnisse in Japan die Wirtschaft in der Bundesrepublik in Mitleidenschaft ziehen werden. Aber in den Häfen, der Logistikbranche und in der Fischwirtschaft Bremerhavens wurden umfassende Vorkehrungen getroffen, damit die deutschen Verbraucher nicht durch radioaktiv belastete Ware aus Japan gefährdet werden. Das ergab eine Umfrage von WIRTSCHAFT AN STROM UND MEER.

Die Bremischen Häfen haben mit einem Notfallplan auf die Ereignisse in Fukushima reagiert. Unter anderem sind ein intensiver, regelmäßiger Dialog der Verantwortlichen in den Ländern Bremen, Hamburg und Niedersachsen sowie Kontrollmessungen vorgesehen – und das, obwohl in den Häfen des kleinsten Bundeslandes keine Seeschiffe im direkten Linienverkehr aus Japan ankommen. Somit sind die Bremischen Häfen nicht der erste europäische Anlaufhafen. Vorher stehen andere Häfen auf der Agenda, die ebenfalls über hohe Sicherheitsstandards verfügen. Bekannt ist außerdem, dass die üblichen Schifffahrtsrouten nicht an Fukushima vorbei führen.

Heiko Frisch

Auch bei der Fischwirtschaft wurden zum Schutz der Verbraucher alle Hebel in Verbindung gesetzt. Heiko Frisch, Betriebsleiter Manufaktur, Sourcing und Technik beim Marktführer „Deutsche See“, weist im Gespräch mit WIRTSCHAFT AN STROM UND MEER darauf hin, dass die Europäische Union als Reaktion auf den Reaktorunfall ihre Sicherheitsmaßnahmen vorsorglich weiter erhöht habe. Auch die Bundesregierung habe angekündigt, dass Lebensmittel aus den betroffenen japanischen Regionen erst dann in Deutschland eingeführt werden dürften, nachdem sie in Japan streng kontrolliert und zertifiziert worden seien.

Darüber hinaus zieht die Fischwirtschaft noch weitere Register im Sinne eines größtmöglichen Verbraucherschutzes, wie Frisch betont. So untersuche zum Beispiel die „Deutsche See“ Produkte aus der Zeit vor der Katastrophe, damit Vergleichswerte ermittelt würden. „Sobald die ersten Lieferungen mit Rohwaren aus der Zeit nach der Katastrophe in Deutschland eintreffen“, kündigt Heiko Frisch an, „werden diese – zusätzlich zu den Maßnahmen der EU und des Bundes – auf radioaktive Belastung hin untersucht.“

Der „Deutsche-See“-Manager bittet bei aller Achtung vor den Ängsten der Menschen in der Bundesrepublik darum, dass die Kirche im Dorf bleiben soll. Nach seinen Informationen liegen die größten Fanggebiete für den Alaska-Seelachs in der Beringsee – eine der wichtigsten Fischarten aus dem Pazifik – mehr als 2.500 Kilometer von Fukushima entfernt. Fazit von Frisch, der auch Vorsitzender des Fischwirtschaftlichen Ausschusses der IHK Bremerhaven ist: „Im Meerwasser verteilen sich die radioaktiven Stoffe schnell. Deshalb ist mit einer nachweisbaren Erhöhung der radioaktiven Stoffe im Meer nicht zu rechnen.“ Noch aus einem anderen Grund meint die Fischwirtschaft die Konsumenten beruhigen zu können. Im vergangenen Jahr betrug die importierte Menge an Fischerzeugnissen aus Japan 76 Tonnen und spielte daher keine große Rolle.

Im Einflussbereich der BLG Logistics Group, also vor allem auf den Auto- und Containeterminals, werden zurzeit ebenfalls keine gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Risiken erkannt.

Unternehmenssprecher Hartmut Schwerdtfeger teilt mit: „Weil die meisten japanischen Automobilhersteller die europäischen Märkte mittlerweile aus ihren europäischen Montagelinien versorgen, gibt es nur noch wenige Fahrzeuge, die direkt aus Japan nach Bremerhaven kommen.“ Die Werke und die Verladehäfen lägen mehrere hundert Kilometer südlich der Gefahrenzone im Norden. Bei den Exportfahrzeugen habe Mercedes die Verschiffungen vom durch den Tsunami beschädigten Hafen Hitachi zu einem südlichen japanischen Hafen verlagert, so Schwerdtfeger. Andere Exportmarken hätten ihre Zielhäfen im Süden.

Thomas Klaus